Günstige Stöcke für Hockeyprofis
Von Ralph Hofbauer. Aktualisiert am 17.12.2009
Michael und Florian Würsten lagern ihre Eishockeystöcke im Keller ihres Büros im Kreis 6.
Zwei Zürcher Brüder lassen in China Eishockeystöcke herstellen. Ihre Black–Sticks aus Karbon kosten deutlich weniger als Markenstöcke. Und sind auch bei NLA-Spielern beliebt.
Die meisten Eishockeyprofis müssen ihre Stöcke aus der eigenen Tasche bezahlen. Das Kontingent, das die Ausstatter den Spielern zur Verfügung stellen, reicht zwar für Schlittschuhe und Bekleidung, aber bei weitem nicht für alle Stöcke, die in einer Saison zu Bruch gehen. Bei einem Verschleiss von mehreren Dutzend Stöcken pro Jahr und Preisen von bis zu 400 Franken pro Stück entstehen für die Spieler horrende Materialkosten. Florian und Michael Würsten haben sich zum Ziel gesetzt, diese auf ein Minimum zu senken. Die Brüder aus Zürich bieten Hockeystöcke für unter 200 Franken an.
«Da wir auf optischen Schnickschnack verzichten und unsere Marketingkosten sehr gering sind, sind wir preiswerter als die Konkurrenz», sagt Florian Würsten. Während die Marktführer auf grossflächige Schriftzüge in auffälligen Farben setzen, glänzen die pechschwarzen Karbonstöcke von Black–Stick durch Understatement. Dies kommt insbesondere den Spielern entgegen, die mit den vom Ausrüster zur Verfügung gestellten Stöcken nicht zufrieden sind. Bis anhin mussten diese Konkurrenzprodukte schwarz übersprayen, was sich bei den Stöcken von Black–Stick erübrigt. Ein Logo findet sich lediglich auf der Schaufel, die ohnehin mit einem Kunststoffband umwickelt wird. Florian und Michael Würsten hoffen, dass sich der Black–Stick durch die No-Label-Strategie zum Kultobjekt entwickelt.
Handarbeit aus China
Ein Hockeykollege brachte Florian und Michael Würsten vor sechs Jahren auf die Idee, Hockeystöcke aus Asien zu importieren. Durch die Mitarbeit im von ihrem Vater gegründeten Handelsunternehmen waren die beiden bereits mit dem asiatischen Markt vertraut. Trotzdem war es nicht einfach, einen zuverlässigen Hersteller ausfindig zu machen: «Wir mussten enorm viel Zeit investieren, um einen Lieferanten zu finden, der unseren Qualitätsansprüchen gerecht wird», sagt Michael Würsten. Eine erste Lieferung aus Pakistan liess sich aufgrund von Produktionsmängeln nicht verkaufen. Schliesslich haben sie in China einen Hersteller gefunden, dessen Karbonfasern halten, was sie versprechen.
Hockeystöcke aus Holz sind heute zur Ausnahme geworden. Aufgrund des Gewichtsvorteils haben sich Kunstfasern wie Kevlar, Fiberglas und Karbon durchgesetzt. Die Stöcke von Black–Stick entstehen vom Flechten der Karbonfasern bis hin zum letzten Feinschliff in Handarbeit. Neben Tennisschlägern, Fahrradteilen und Unihockeystöcken produziert der chinesische Hersteller auch Eishockeystöcke für die namhafte Konkurrenz von Black–Stick. Drei verschiedene Schaufelformen und zwei verschiedene Schäfte hat man bislang im Angebot, womit man etwa 90 Prozent des Markts abdecke, wie Florian Würsten erläutert. Gegen einen Aufpreis können auch Massanfertigungen bestellt werden.
Auch Deutsche sind interessiert
Der Antrieb von Florian und Michael Würsten, die in ihrer Freizeit in der Zürcher Eishockey-Plauschliga spielen, ist die Leidenschaft für ihren Sport. Sie besuchen Trainings von kleinen und grossen Klubs im In- und Ausland, um für ihr Produkt zu werben. Mittlerweile konnten sie bereits eine Handvoll Nati-A-Spieler von ihren 430 Gramm schweren Leichtgewichten überzeugen, und auch die Deutsche Eishockey Liga zeigt Interesse am Black–Stick. Namen wollen die Gebrüder Würsten nicht nennen – zum Schutz der Spieler vor Sanktionen. Denn deren Ausrüster finden wenig Gefallen an der neuen, günstigen Konkurrenz und versuchen, ihr Revier zu verteidigen. Doch die Spieler haben Freude am neuen Stock. Von NLA-Spielern erhielten die Brüder bereits mehrere SMS wie: «Black–Stick hat wieder geskort. Schaut «Sportpanorama»!»
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Leserbriefe
Sportindustrie «Günstige Stöcke für Hockeyprofis», TA vom 17. 12.
Vorbildliche Firma.
Die zwei Brüder sollten ein Vorbild für andere Jungunternehmer und die Sportindustrie sein. Michael und Florian Würsten bieten allen Konsumenten eine Alternative, die nicht das Geld für teure Marken haben. Wenn die Idee fruchtet und andere Sportartikel wie etwa Fussballschuhe günstiger angeboten werden, kann ein Umdenken entstehen. Somit könnte dem Markenfetischismus entgegengewirkt werden. Die Unterstützung der Hockeyklubs und weiterer Käufer ist wichtig, damit sich das Unternehmen etablieren kann. Wir können nur hoffen, dass die Gesellschaft genug offen ist für «markenfreie Sportartikel».
Zbynek Hybler


